Einleitung

Eine Passion, eine Leidenschaft oder "nur" ein Hobby?

Die Idee, sich mit historischen Spielen zu beschäftigen, reifte vor vielen Jahren
auf einem meiner ersten Mittelaltermärkte in mir. Fast jeder der diesem Hobby
nachgeht, fragt sich irgendwann, was das Besondere daran für ihn ist, das den
besonderen Reiz ausmacht und welches Ziel man mit dem Hobby erreichen will.
Mir selbst stellte sich die Frage recht früh, weil das Lagerleben für mich mehr
zu bieten haben sollte, als das Campieren unter freiem Himmel ohne
technische Hilfsmittel.

Ich wollte den Besuchern etwas zeigen, etwas vermitteln und vielleicht auch die
Neugier zu etwas Besonderem wecken oder die Lust auf etwas Althergebrachtes
entfachen. Ein Freund hatte eine Wippdrechselbank und ein Ziehpferd zur
Holzbearbeitung. Etwas handwerkliches, das wurde mir nach wenigen Versuchen
an diesen Geräten klar, kam für mich nicht in Frage.

3-times-morrisWir haben Zuhause viel gespielt und
auch immer wieder unbekannte Spiele ausprobiert, neue wie alte. Irgendwann
stellten sich uns die Fragen "Wie alt sind
eigentlich die ‚alten' Spiele wie
Mühle oder Dame?" und natürlich dann
auch "Welche Spiele kann man auf
einem Mittelaltermarkt spielen?
Welche passen zur Darstellung?"

Jedes Spiel hat seine Zeit - jedes Spiel hat seinen Reiz. Nicht jedes passt zur
gewählten Darstellung. Manche sind "gefühlt" alt und doch neu.
Nach der Recherche einiger Spiele und ihrer Regeln wurde mir schnell bewusst,
dass es mit dem Begriff "mittelalterliche Spiele" nicht getan war. Warum sollte man
sich und den Besuchern ein schönes Spiel vorenthalten, nur weil es um ein paar
Jahrhunderte nicht in die Zeit passte oder dummerweise aus einem
anderen Kulturkreis kam?
Ich wählte dann für mich den Begriff "Historische Spiele", um mein
Tätigkeitsfeld zu beschreiben.

SpieletischeAnfangs brannte ich die Spielbretter in Lederbeutel,
die mit einer Kordel zugezogen werden konnten
und die Steine zum Transport sicher umschlossen.
Wer aber unser schönes norddeutsches Wetter
kennt, der weiß, was meine Hauptbeschäftigung
war: das Ordnen der Steine in die Startaufstellung,
weil der Wind sich einen Spaß daraus machte,
mir zu zeigen, dass er der Stärkere ist.
Die Idee zu dem Spieletisch, der inzwischen zu
einer Art Markenzeichen für uns geworden ist,
war geboren. 8 Spiele waren schnell in die
Eichenplanke eingebrannt und ich war froh,
dem Wind ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Inzwischen habe ich nacheinander einen zweiten und einen dritten Tisch dazu
genommen, die ich individuell mit Spielen belege.
Im Schnitt sind es 15 bis 20 Spiele, die wir den Besuchern präsentiere.
Das Erklären der Regeln und das Erzählen mancher Anekdote zu den Spielen ist
meine Hauptbeschäftigung auf einem Markt. Ich freue mich über jede Partie,
die ich spielen kann und über jeden Besucher, egal ob jung oder alt, dem es
genauso ergeht, weil er mal wieder ein Spiel gespielt hat und für einen Moment
der Hektik des Alltags entflohen ist. Und wenn er eine schöne Idee mit nach Hause
nimmt, dann habe ich mein Ziel erreicht. Das ist für mich die Erholung,
die ich aus diesem Hobby ziehe.

Spieletische2Und so kommt es, dass wir Spiele aus über
50 Jahrhunderten Brettspielgeschichte an
mehreren Tischen präsentieren, wobei das
Miteinbeziehen der Besucher durch
Erklären und Spielen im Vordergrund steht.
Als Materialien kommen überwiegend Holz,
Stein, Leder und Glas zum Einsatz.
Fast alle Spiele sind von uns selbst gefertigt worden.




...wird Fortgesetzt

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